Regenwasser · Veröffentlicht am 27. September 2026

Regenwasser filtern: Welcher Filter passt zu Fallrohr und Zisterne?

Wer Regenwasser sammelt, stellt früher oder später fest: Das Wasser, das vom Dach kommt, ist nicht so sauber wie gedacht. Laub, Moos, Vogelkot, Feinstaub und Dachstaub landen im ersten Schwall direkt in der Tonne oder Zisterne – und können auf Dauer Pumpen verstopfen, Algenwachstum fördern und das gespeicherte Wasser trüben.

Die Lösung ist einfach: der richtige Filter an der richtigen Stelle. Aber welcher Regenwasserfilter passt zu welcher Anlage? In diesem Artikel erfährst du, welche Filtertypen es gibt, wo sie eingesetzt werden, was sie kosten – und wann du welchen brauchst.


Warum Regenwasser überhaupt filtern?

Regenwasser gilt als vergleichsweise sauber. Trotzdem nimmt es auf dem Weg vom Himmel in deine Tonne jede Menge Verunreinigungen mit:

  • Auf dem Dach: Laub, Vogelkot, Moos, Algensporen, Feinstaub, Ruß, Pollen
  • Im Fallrohr: abblätternde Farbe, Rost (bei alten Metallrohren), Sedimente
  • Im Behälter: ohne Schutz setzen sich Schwebstoffe ab, Algen wachsen im Licht, organisches Material fault

Für einfaches Gartengießen stört das oft wenig. Aber sobald du:

  • eine Pumpe betreibst (die verstopft durch Grobschmutz),
  • das Wasser für Toilette oder Waschmaschine nutzt,
  • eine Zisterne mit mehrjähriger Laufzeit betreibst,
  • oder empfindliche Pflanzen bewässerst,

… dann lohnt sich Filtern. Nicht nur für die Wasserqualität, sondern auch um die Lebensdauer der Technik zu schützen.


Die drei wichtigsten Filtertypen im Überblick

1. Fallrohrfilter – der erste Schutz direkt am Haus

Der Fallrohrfilter wird ins Fallrohr eingebaut, noch bevor das Wasser in die Tonne oder Zisterne gelangt. Er filtert mechanisch und hält groben Schmutz zurück.

Wie funktioniert er? Das Wasser fließt durch den Filter, ein Siebkorb oder Prallblech hält Laub und größere Partikel zurück. Das gefilterte Wasser läuft weiter in den Behälter, der Schmutz bleibt im Filtergehäuse und muss gelegentlich entleert werden.

Varianten:

  • Einbaufilter mit Siebkorb: wird direkt in das Fallrohr integriert, robuste Variante für den Dauerbetrieb
  • Aufsteckfilter: einfache Lösung für Regentonnen, filtert durch ein feinmaschiges Netz
  • Selbstreinigender Fallrohrfilter: Der Schmutz wird automatisch mit einem Teil des Wassers ausgespült (sogenannter Bypass-Filter), kaum Wartung nötig

Maschenweite: Typisch sind 0,75 bis 1 mm – reicht aus, um Laub und Grobschmutz zurückzuhalten, lässt Feinpartikel aber noch durch.

Kosten: 15 bis 60 Euro für einfache Modelle, selbstreinigende Versionen ab 40 Euro.

Geeignet für: Regentonnen, kleine Zisternen, als erste Filterstufe in größeren Anlagen.


2. Zisterneneinlauffilter (Erdeinbau-Filter) – für unterirdische Speicher

Bei einer Erdzisterne reicht ein einfacher Fallrohrfilter nicht aus. Hier wird ein sogenannter Zisterneneinlauffilter direkt am Zulauf in den Tank installiert. Er sitzt entweder im Schacht über der Zisterne oder direkt im Erdreich.

Typen:

  • Flachfilter: Das Wasser fließt über einen flachen Siebkörper, grobe Partikel bleiben oben liegen und werden mit dem Regenwasserüberschuss in die Kanalisation oder Versickerung gespült. Sehr wartungsarm.
  • Stehfilter (Tauchmotorfilter): Das Wasser wird von unten durch den Filterkorb gesaugt, gut für die Kombination mit Tauchpumpen.

Filterfeinheit: Diese Filter arbeiten meist mit 0,28 bis 0,5 mm Maschenweite – deutlich feiner als Fallrohrfilter.

Kosten: 50 bis 150 Euro, je nach Bauform und Hersteller. Bekannte Marken: Mall, Graf, Wisy, 4Rain.

Geeignet für: Unterirdische Zisternen, Regenwasseranlagen mit Pumpe und Hausinstallation.


3. Feinfilter und Aktivkohlefilter – wenn Trinkwasserqualität gefragt ist

Wer Regenwasser nicht nur für den Garten, sondern auch für Toilette, Waschmaschine oder sogar zum Trinken nutzen will, braucht zusätzliche Filterstufen.

Feinfilter (Patronenfilter): Werden nachgeschaltet, typisch 5 bis 50 Mikrometer Porengröße. Filtern Feintrübungen, Schwebstoffe und kleine Partikel heraus, die der mechanische Vorfilter durchgelassen hat. Müssen regelmäßig (alle 3–12 Monate) ausgetauscht werden.

Aktivkohlefilter: Binden organische Substanzen, Gerüche und bestimmte Schadstoffe. Werden eingesetzt, wenn das Wasser auch im Haus genutzt wird und eine gewisse Wasserqualität gewünscht ist. Nicht geeignet als alleinige Aufbereitungsstufe für Trinkwasser.

UV-Entkeimung: Kein Filter im eigentlichen Sinne, aber oft die letzte Stufe: UV-Licht tötet Bakterien und Keime ab. Pflicht, wenn das Wasser für die Toilettenspülung aus einem offiziell angemeldeten Zweitsystem kommt – und Voraussetzung für viele kommunale Genehmigungen.

Kosten:

  • Patronenfilter: 30–80 Euro für das Gehäuse, 5–20 Euro pro Patrone
  • UV-Anlage: 150–400 Euro

Geeignet für: Hauswasserwerke, Trinkwasseraufbereitung, Mehrfamilienanlagen.


Der “Erste-Flush-Abweiser”: Unterschätzter Helfer

Bevor überhaupt ein Filter angesetzt wird, gibt es eine clevere mechanische Lösung: den Erstspülabweiser (auch First-Flush-Weiche oder Dachabweiser genannt).

Prinzip: Der erste Schwall Regenwasser – der den meisten Schmutz vom Dach enthält – wird abgeleitet, bevor das sauberere Wasser in die Zisterne fließt. Typisch wird der erste 1 mm Niederschlag pro Quadratmeter Dachfläche verworfen.

Das ist kein Ersatz für einen richtigen Filter, aber eine sinnvolle Ergänzung, die die Filterlaufzeiten verlängert und die Wasserqualität spürbar verbessert.

Kosten: 30–80 Euro.


Welcher Filter für welche Situation? Die Entscheidungsmatrix

Situation Empfohlener Filter
Einfache Regentonne, nur Gartengießen Aufsteck-Fallrohrfilter (ab 15 €)
Regentonne mit Tauchpumpe Fallrohrfilter + Saugkorb an der Pumpe
Kleine Erdzisterne ohne Pumpe Zisterneneinlauffilter (Flachfilter)
Zisterne mit Tauchpumpe, Garten Flachfilter + ggf. Erstspülabweiser
Zisterne für Toilette/Waschmaschine Einlauffilter + Feinfilter + UV
Trinkwasseraufbereitung Mehrere Stufen inkl. UV, ggf. Umkehrosmose

Worauf beim Kauf achten?

Maschenweite und Filterfeinheit

Für Gartenbewässerung: 0,5–1 mm reicht. Für Pumpen: maximal 0,5 mm, besser feiner. Für Innenraumnutzung: mehrere Stufen bis unter 0,1 mm.

Wartungsaufwand

Selbstreinigende Filter (Bypass-Prinzip) sparen Zeit. Siebkörbe müssen bei Laubfall (Herbst, Frühjahr) geleert werden – je nach Bewuchs in der Nähe. Patronenfilter brauchen regelmäßigen Tausch.

Materialqualität

Achte auf witterungsbeständige Gehäuse (UV-stabiler Kunststoff oder Edelstahl). Günstige Plastikfilter werden nach wenigen Jahren spröde.

Kompatibilität mit deinem Fallrohr

Fallrohre in Deutschland sind meist DN 70 oder DN 100 (entspricht 70 mm bzw. 100 mm Außendurchmesser). Messe vor dem Kauf nach. Manche Filter sind universell, andere nur für eine Größe geeignet.

Marken mit gutem Ruf

  • Graf (günstig, gute Verfügbarkeit im Baumarkt)
  • 4Rain (gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, breites Sortiment)
  • Wisy (Premiumsegment, sehr fein filternde Wirbelfilter)
  • Mall (eher für große Zisternenanlagen)

Fallrohrfilter einbauen: So geht’s

Das Einbauen eines Fallrohrfilters ist kein Hexenwerk. Du brauchst:

  • Den passenden Filter für deinen Fallrohrdurchmesser
  • Eine Säge (für das Fallrohr)
  • Eventuell Dichtmittel oder mitgelieferte Dichtgummis

Schritt für Schritt:

  1. Geeignete Stelle im Fallrohr auswählen: ca. 20–30 cm über der Regentonne, gut erreichbar zum Leeren.
  2. Fallrohr mit der Säge durchtrennen (Schnittlinie anzeichnen).
  3. Filter einsetzen: Je nach Typ einstecken, einschrauben oder mit Rohrschellen fixieren.
  4. Verbindungsstück nach unten montieren, ggf. mit Schlauch zur Tonne weiterführen.
  5. Dichte prüfen beim nächsten Regen.

Zeitaufwand: 30–60 Minuten. Keine besonderen Vorkenntnisse nötig.


Wie oft muss ein Regenwasserfilter gewartet werden?

Das hängt stark von deiner Umgebung ab:

  • Viel Laub in der Nähe (Laubbäume, Hecken): Siebkörbe mindestens 2× jährlich leeren – im Herbst nach dem Laubfall und im Frühjahr nach der Baumblüte.
  • Wenig Schmutzlast: Einmal jährlich reicht oft.
  • Patronenfilter: Herstellerangaben folgen, typisch alle 6–12 Monate tauschen, bei viel Schmutz früher.
  • UV-Lampen: Jahreswechsel der Lampe empfohlen (Leistung lässt nach, auch wenn sie noch leuchtet).

Ein einfacher Test: Wenn das Wasser im Speicher trüber wird oder die Pumpe mehr Geräusche macht, ist es Zeit zur Kontrolle.


Fazit: Der richtige Filter macht den Unterschied

Kein Filter ist keine Option – zumindest nicht, wenn du eine Pumpe betreibst oder das Wasser längere Zeit speichern willst. Der Fallrohrfilter ist der einfachste Einstieg für jede Regentonne. Wer eine Zisterne hat, braucht einen Einlauffilter mit etwas feinerer Maschenweite. Und wer das Regenwasser im Haus nutzen will, kommt um mehrere Filterstufen inklusive UV nicht herum.

Das Gute: Schon für 30 bis 80 Euro bekommt man solide Filter, die jahrelang zuverlässig funktionieren – wenn man sie gelegentlich reinigt. Das lohnt sich: Die Pumpe lebt länger, das Wasser bleibt sauberer, und der Aufwand hält sich in Grenzen.

Hinweis: Mit Sternchen (*) markierte Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber ein, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.